Freundschaft bei KGV Richard Bauch e.V.

Geschichte der Kleingartenanlage Richard Bauch e.V.
Richard Bauch e.V.

Gärten gehören in der langen Geschichte unserer Menschheit zum normalen Lebensraum.

Das Verhältnis zum Garten wurde damals wie heute von individuellen und gesellschaftlichen Bedürfnissen geprägt und der Lebensweise Ihrer Nutzer untergeordnet. Jeder Bauernhof hatte seinen Gemüsegarten und der Feudaladel zusätzlich noch seine Ziergärten, die heute zum allgemeinen Kulturerbe gehören. Erinnern möchte ich nur an einige wie die Parkanlagen Sanssouci, Pillnitz, Belvedere, Wörlitz oder aber an unseren kleinen Küchengarten.

Die Historie des organisierten Kleingartenwesens begann im Jahre 1814, als in Kappeln an der Schlei der erste deutsche Kleingärtnerverein entstand und mit den Anfängen der Schrebergartenbewegung in Leipzig, den Arbeiter-und Eisenbahnergärten und den Berliner Laubenkolonien.

Der „Reichsverband der Kleingartenvereine Deutschlands” wurde 1921 und die internationale Kleingärtnerorganisation 1926 in Luxenburg gegründet.

Mit der fortschreitenden Verstädterung, Zusammenballung und Verarmung der Menschen zur Zeit des frühen Kapitalismus konnten sich nur wenige Menschen einen Garten leisten. Viele Menschen lebten in ungesunden und unsozialen Verhältnissen.

Der Leipziger Arzt Dr. Daniel Moritz Schreber erkannte dieses, und angagierte sich für die Schaffung besserer Lebensbedingungen. Für die Kinder von Arbeiterfamilien wollte er eine gesunde körperlich-geistige und moralische Entwicklung ermöglichen.

Dr. Schreber erlebte die Umsetzung seiner Ideen nicht mehr. Erst dem Schuldirektor Dr. Hauschild gelang die Verwirklichung. Am 10. Mai 1864 gründete er in Leipzig den ersten nach Dr. Schreber benannten Verein. Die ersten Schrebervereine dienten der gesunden Erziehung der Kinder. Dazu wurden Spielplätze und in deren Nähe Beete angelegt, welche die Kinder eigenverantwortlich betreuten. Aber wie das eben auch heute noch so ist, kümmerten sich die Eltern mehr um diese Pflichten. Aus den Kinderbeeten wurden Familienbeete. Da aber jeder sein angebautes auch Selbst ernten wollte, wurden Zäune errichtet. 1870 gab es bereits an die 100 solcher Gärten.

1919 nach der Verabschiedung der Weimarer Verfassung, wurde die erste Kleingarten und Pachtlandschaft geschaffen. Aber bereits vorher begannen Bürger aus Zwötzen mit der Bewirtschaftung von Parzellen auf dem Gelände des Gartenvereins. Der Pachtzins betrug für Gartenland 3,5 Pfg/qm,Wiesen 3Pfg./qm und Kartoffelland1,3/4 Pfg/qm. Zusätzlich wurde eine VerwaltungsgebÜhrvon 1 Pfg./qm erhoben. Diese Preise hatten bis 1989 Gültigkeit und waren zu einem Durchschnittspreis zusammgefasst. Zurzeit beträgt der Pachtzins 0,12 Euro/qm.

Am 29.01.1921 wurde in der Turnhalle Zwötzen, der Schrebergartenverein Gera-Zwötzen mit 103 Mitgliedern gegründet.

In diesem Verein waren die Zwötzner Gartenkolonien zusammengefasst. So auch der Verein hinter der Gärtnerei, der den Namen Südende trug.

Obmann für den Verein war, bis zu seiner Absetzung durch Nationalsozialisten, Richard Bauch. Er wurde im Mai 1933 vom Vorstand des Schrebergartenvereins Bezirk Zwötzen zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Nach dem 2. Weltkrieg boten die Kleingärten vielen Menschen eine Existenzgrundlage für Ihre Ernährung, aber auch Wohnraum. Richard Bauch wurde Stadtverordneter und Vorsitzender der Gartenanlage. Nach dem Tod von Richard Bauch erhielt die Gartenkolonie Südende seinen Namen.

Weitere Vorsitzende waren:

1921-1933 Richard Bauch
1933-1945 Poser
1949-1961 Helmut Löber
1961-1972 Georg Knauf
1972-1980 Helmut Löber
1980-1987 Lömpke
1987-2008 Gerhard Wittig
2008-2023 Silvia Seifarth
2023-2026 Jöran Schnell

Nach 1989 mussten vereinsrechtliche Belange dem Bundesdeutschen Recht angepasst werden.

Eine Satzung und Kleingartenordnung wurden erarbeitet. Gerüchte über den weiteren Fortbestand unserer Kleingartenanlage verunsicherten unsere Mitglieder. Gern erinnern wir uns in diesem Zusammenhang auch daran, dass der ehemalige Bürgermeister Herr Rauch im Volkshaus die Sicherheit und den Fortbestand unserer Anlage versprach. Die flächenmäßige Zuordnung der Flurstücke, die bisher keinen interessiert, hatte, wurde eingeleitet und ist bis auf ein kleines Teilstück abgeschlossen. Verträge dazu wurden unterzeichnet. Unser Verein bewirtschaftet mit 312 Mitgliedern 184 Parzellen ca. 58 – 132 qm. Vor der Wende gab es Bewerberlisten mit bis 50 Gartensuchenden und daraus resultierend eine Wartezeit bis zu 8 Jahren. Ab 1989 hat der alters oder berufsbedingte Nutzerwechsel stark zugenommen. Es wurden ca. 70 Pachtverträge mit neuen Gartenmitgliedern abgeschlossen. Wünsche nach einem Pachtgarten wurden meist innerhalb eines halben Jahres erfüllt.

Der bis dahin unbekannte Papierkrieg mit dem Finanzamt und anderen Behörden begann. So z.B. muss noch immer für eine Gartenlaube eine Genehmigung wie zur Errichtung eines mehrstöckigen Wohnhauses bei der Stadtverwaltung eingeholt werden.

Die Toilettenanlage der Gartengaststätte wurde gebaut, Zäune erneuert, Gartenwege mit neuen Schotterdecken versehen und ein Vereinsbungalow errichtet.

In den Jahren nach 1945 erhielt der Verein eine Trinkwasserleitung und Elektroanschluss. Geräteschuppen wurden gebaut, die Gehwege instand gesetzt und die Gartengaststätte, die in den Zwanziger Jahren aus einem Ziegenstall entstand, wurde modernisiert. Bis 1989 wurden ca. 73 Kleingärten neu angelegt.

Aber auch um unseren Verein herum hat sich viel verändert. Dort wo früher Rhabarberfelder waren stehen jetzt Neubauten. Dort wo sich die Gewächshäuser der Gärtnerei befanden, wurde ein Verbrauchermarkt errichtet. Die Mitglieder unseres Vereins fühlen sich auf diesem Stückchen Heimat in ihren Gärten wohl.

An Auszeichnungen erhielt der Verein ca. 1925 die Ehrenplakette des Reichsverbandes der Kleingärtner, später eine Ehrenurkunde des Stadtverbandes Gera und die des Landesverbandes Thüringen. 2004 hat der Verein im Wettbewerb des Landesverbands Thüringen den zweiten Platz belegt. Im Jahre 2006 konnten wir einen 3 Platz im Bundeswettbewerb und die Auszeichnung mit einer Bronzemedaille in Berlin entgegennehmen.

Ich meine, auf das in 90 Jahren Vereinsgeschichte geschaffene, können wir alle stolz zurückblicken.

Unter deren Leitung und mit dem Engagement vieler Mitglieder wurde die Gartenanlage weiter gestaltet und in Eigenleistung vieler geschaffen. Stellvertretend die Gartenfreunde:

Wehner Alfred, Meinhard Otto, Schumann Walter, Richard Ernst, Herbert und Hildegard Knoll oder unsere noch heut aktiven Mitglieder und unseren Kassierer Lothar Lenzner nennen, die ihre Gärten bereits über 50 Jahre bewirtschaften.

Aktuell suchen wir noch Bilder aus der Geschichte der Kleingartenanlage Richard Bauch e.V.Jeder kann mitmachen.

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Gartenverein Richard Bauch e.V. Gera - Zwötzen

Stadtverband der Gartenfreunde e.V. Gera



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